Jinli Hoffmann

Jinli Hoffmann: Botschafterin einer faszinierenden Kultur  

Ein schöner, von Sonne beschienener Tag im beginnenden Herbst. Ich befinde mich gemeinsam mit Wolfgang Weßling auf dem Weg nach Bad Bentheim. Ziel ist das idyllisch gelegene Chinesische Kulturhaus am Osterberg, von dem ich schon viel gehört, aber noch wenig gesehen habe. Von außen vernimmt der Betrachter kaum etwas von den künstlerischen Schätzen, die sich in dem Haus befinden. Wir klingeln und im Eingang stehen Jinli und Peter Hoffmann, die gemeinsam das Kulturhaus gegründet haben. Die Begrüßung ist von äußerst angenehmer Freundlichkeit.

Jinli Hoffmann (Foto: © 2021 Wolfgang Weßling)
Jinli Hoffmann (Foto: © 2021 Wolfgang Weßling)


Schon nach ein paar Schritten im Haus ist der Betrachter von chinesischer Kunst und Kultur umfangen. In Vitrinen stehen liebevoll gestaltete und bemalte Porzellanfiguren in faszinierenden Gewändern, an den Wänden Bilder in den unterschiedlichsten Techniken. Auch chinesisches Kunsthandwerk ziert die Räume. Noch bevor wir am gastlich gedeckten Tisch mit Kirschkuchen und weißem chinesischen Tee sitzen, zeigen die Gastgeber die Räumlichkeiten des Hauses. Als zentraler Raum des künstlerischen Schaffens erweist sich das im Obergeschoss liegende Atelier von Jinli Hoffmann. Große und kleine Bilder von Landschaften und Menschen stapeln sich. Bemerkenswert vor allem bei den Landschaftsmotiven ist der feine Strich, mit dem sie malt. Eine meditative Stimmung geht von ihnen aus. Doch wie ist es zu alldem gekommen? Anfang der 1990er Jahre ist Jinli, damals noch Feng mit Nachnamen, nach Deutschland gekommen. Sie hatte zu dem Zeitpunkt schon den Bachelortitel von der Tianjiner Pädagogischen Hochschule für Wirtschaftsgeographie und Geographie erhalten und war auch mehrere Jahre als Lehrerin an einer Berufsschule in Tianjin tätig. Ihr damaliges neues Ziel war in Deutschland ein Aufbaustudium zu absolvieren. Während des Studiums an der RWTH Aachen jobbte sie auf der Kölner Tourismusmesse bei einem deutschen Tourismusveranstalter für Chinareisen.  Auch auf der Messe unterwegs war Peter Hoffmann in seiner damaligen Funktion als Vorstand der Bentheimer Eisenbahn, die auch ein wirtschaftliches Standbein im Bereich Tourismus hat. Da Peter Hoffmann kurz vorher eine Reise nach China unternommen hatte und dort eine Leidenschaft für die Kultur des Landes entwickelt hatte, kamen die beiden schnell ins Gespräch und aus dem Kennenlernen wurde Liebe. Schließlich wurde geheiratet.   Nach dem Studium folgte eine zweijährige Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin der RWTH Aachen. Anschließend zog es sie auch beruflich zum Wohnort ihres Mannes nach Bad Bentheim. Am Missionsgymnasium St. Antonius Bardel lehrte sie 14 Jahre die chinesische Sprache mit Erfolg und Engagement. Schon von Kindesbeinen an spielte die Kunst im Leben von Jinli Hoffmann eine wesentliche Rolle. Mit 9 Jahren begann sie mit chinesischen Scherenschnitten, mit 10 Jahren die Erhu(Zwei-Saiten-Geige), ein chinesisches traditionelles Musikinstrument, zu spielen, mit 11 Jahren mit der chinesischen Malerei, Kalligraphie sowie Porträtzeichnung und Acrylmalerei. Und da es ihr ein Bedürfnis war, die Kunst und Kultur ihrer Heimat auch in ihrer neuen Heimat zu vermitteln, erweiterte sie ihre Kenntnisse und arbeitet seit 2016 als Dozentin für Kunst, vor allem im Beriech für Tuschemalerei und Landeskunde im Kunstwerk Schüttorf. 2017 erfolgte die Gründung des „Chinesischen Kulturhauses Bad Bentheim“. Seitdem erfreuen sich die von ihr angebotenen Vorträge und Seminare großer und steigender Beliebtheit.

(Text: Andreas Meistermann/November 2021)        



Jinli Hoffmannn
*1960 in Tianjin (China)
lebt und arbeitet in Bad Bentheim
Link: https://www.facebook.com/Chinesisches-Kulturhaus-Seite-143195396352023/