Werner Lüdicke

Der Mann, der die Klassik liebt
 
„Bildung und Abbau des Sinapins während der Samen- und Keimlingsentwicklung von Sinapis alba L.“ heißt der etwas sperrig wirkende Titel einer wissenschaftlichen Arbeit, mit der Dr. Werner Lüdicke im Jahre 1976 seinen Doktortitel im Fach Biologie erwarb. Wie es von der sich auch mit trockener Materie beschäftigenden Naturwissenschaft zur großen Leidenschaft für die klassische Musik mit ihrer eher emotional-geistigen Ausrichtung kam, erschließt sich nicht sogleich, und bedarf einer etwas ausführlicheren Erklärung.

Dr. Werner Lüdicke (Foto: © 2021 Wolfgang Weßling)
Dr. Werner Lüdicke (Foto: © 2021 Wolfgang Weßling)


Aber alles der Reihe nach: Dr. Werner Lüdicke wurde am 3. Oktober 1949 in Heidelberg geboren. Nach dem Abitur im Jahre 1968 folgte an der Universität das Studium der Fächer Biologie, Chemie und Physik, 1973 das Staatsexamen, 1976 die Promotion mit der schon angesprochenen Doktorarbeit, 1976 bis 1977 das Referendariat und 1978 die Aufnahme der Lehrertätigkeit am Gymnasium Nordhorn. 2015 wurde Dr. Lüdicke in den Ruhestand verabschiedet. Noch etwas Privates:
1977 heiratete er seine Frau Beate, mit der er zwei Kinder hat. Mit ihr teilt er die Leidenschaft für die klassische Musik und sie sind immer noch glücklich miteinander in ihrem schönen Heim im Stadtteil Bookholt mit lauschigem Garten.

Aber nun zur Leidenschaft für die Klassik: Hier kommt im positiven Sinne der noch etwas neue Begriff des Influencers ins Spiel. Der erste Influencer für Dr. Lüdicke, was die klassische Musik angeht, war sein Vater, der als Zoologie-Professor an der Universität Heidelberg tätig war und neben seiner Leidenschaft für die Naturwissenschaften – die er gleichfalls an seinen Sohn vererbte – auch eine Begeisterung für die Klassik hatte und diese weitertrug. Allerdings eher als verstehender Hörer, denn als aktiver Musiker. Ein richtiger Influencer im besten Sinne des Wortes, also einer, der das Interesse für das Geistige weckt, und nicht für den oberflächlichen Konsum von vielfach nutzlosen Dingen, wurde für Dr. Lüdicke dann Helmuth Westphal, der in Heidelberg als ausgewiesener Fachmann für das Thema Klassische Musik bekannt war.
Der studierte Jurist, Kammermusik-Enthusiast und Cellist brachte im Rahmen von Ausländer-Ferienkursen der Universität Heidelberg Deutsche und Ausländer zusammen, die die Leidenschaft für die klassische Musik teilten. Während dieser Ferienkurse wurden mehrere Veranstaltungen durchgeführt, deren Höhepunkt ein Ausflug zur Burg Stettenfels bei Heilbronn war, wo gemeinsam gegessen, getrunken und vor allem viel Musik gemacht wurde. Mit diesen Veranstaltungen wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein Zeichen für die Völkerfreundschaft durch Kultur gesetzt. Über seinen Bratsche spielenden Freund Wolf-Ulrich Knoben kam auch Dr. Werner Lüdicke in diesen Kreis. Seit 1959 hatte er Geigenunterricht bei Alfred Hinz, Bruno Masurat und Cecilia Hansen und war bei zahlreichen von Helmut Westphal organisierten Zusammenkünften mit viel Spaß dabei. In dieser Zeit etablierte sich auch wieder die Kultur der Hausmusik. Zahlreiche Wohnzimmer standen, privat organisiert, für die klassische Musik offen, eine Tradition, die kaum noch gepflegt wird, was Lüdicke zutiefst bedauert.

Die Begeisterung für die Klassik bestimmte neben der Lehrertätigkeit nach dem Weggang aus Heidelberg auch sein weiteres Leben in Nordhorn. Er trat dem Grafschafter Kammerorchester bei und organisiert seit 1991 als stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins „pro nota“ der Musikschule Nordhorn ehrenamtlich Benefizkonzerte. Seit dieser Zeit steht „pro nota“ für qualitativ herausragende Kammermusik in der Region. Musikerinnen und Musiker von internationalem Rang wie Liv Migdal, das Klavierduo Stenzl und die Skride-Schwestern zeugen davon. Nicht zu vergessen ist die durch die Konzerte eingespielte Summe von über 400.000 Euro, die als Spende an die Musikschule ging. Nachdem die Konzerte zunächst im Kloster Frenswegen stattfanden, werden sie seit ein paar Jahren im Manz-Saal im NINO-Hochbau veranstaltet. Trotz seiner inzwischen fast 72 Jahre ist Dr. Lüdicke immer noch mit Herzblut dabei. Auch Corona konnte seine Leidenschaft nicht mindern. Das, was ihn aber verdrießlich stimmte, war in der Zeit der Corona-Pandemie der Umgang der Bundesregierung mit der Kultur. Wie er meint, sei diese von der Politik für lange Zeit äußerst stiefmütterlich behandelt worden, was sich für ihn auch an dem Begriff „nicht systemrelevant“ für den Bereich Kultur festmacht. Des Weiteren brachte er gegenüber den Verantwortlichen vor Ort (Stadt und Landkreis) den Wunsch zum Ausdruck, die Internationale Sommerakademie im Kloster Frenswegen noch mehr als kulturelles Highlight für die Stadt Nordhorn herauszustellen, als es bisher geschehen sei. Aktuell ist Dr. Lüdicke schon mit den Vorbereitungen für die nächste „pro nota“-Konzertreihe beschäftigt.

(Text: Andreas Meistermann/August 2021)

Dr. Werner Lüdicke
*1949 in Heidelberg
lebt und arbeitet in Nordhorn
Email: wluedicke@googlemail.com